Die freischaffende Textilkünstlerin und Designerin Annette Aue lebt und arbeitet in Schopfheim. Neben dem Strickdesign sind textile Bildobjekte ihre große Leidenschaft. Eine unbändige Lust am Experimentieren mit Farben und Strukturen spiegelt sich in Ihren Collagen und Art-Quilts aus Stoff. Ihre Farbpalette ist der Färbeeimer, ihre Zeichenstifte sind Nadel, Faden und die Nähmaschine. In ihrer Werkstatt geben sich Stoffe, Garne, farbige Metallfolien, Papiere und Farben ein buntes Stelldichein. Grundlage der Arbeiten bildet meist weißer Baumwollstoff, der zunächst von Hand gefärbt wird. Durch die Handfärbung entstehen Schattierungen und Unregelmäßigkeiten, die den Stoffen eine große Lebendigkeit verleihen.

 

Ein spezielle Färbetechnik, mit der sich Annette Aue zur Zeit intensiv auseinandersetzt, ist Shibori, eine über tausend Jahre alte Färbetechnik aus Japan, bei welcher die Stoffe zuerst mittels verschiedener Hilfsmittel gefaltet, gestaucht, verdreht, abgebunden oder abgequetscht werden. Die Farbflotte kann dadurch beim anschließenden Färben nicht gleichmäßig auf den Stoff aufziehen, sondern wird gelenkt, so dass spezifische, interessante Strukturen und Musterungen entstehen. Diese Technik birgt immer große Überraschungsmomente, weil man nie genau voraussehen kann, wie das Ergebnis schlussendlich ausfällt. Oft erinnern die entstandenen Muster an Strukturen, die z.B. auch in der Natur zu finden sind.

 

Spielerisch und intuitiv werden die Stoffe dann zum Teil als ganzes Stück oder aber zerschnitten und gerissen zu farbintensiven, strukturreichen und vielschichtigen Bildobjekten zusammengefügt und anschließend genäht, gequiltet und bestickt. Die Natur mit ihrem Reichtum an Farben und Strukturen ist dabei oft Inspiration. Das Thema einer Arbeit ergibt sich jedoch meist erst im Entstehungsprozess, der bei größeren Projekten auch mal über Monate dauern kann.

 

Was Annette Aue in ihren Werken wichtig ist, sind Kontraste. Die Gegensätze, die das Leben ausmachen: Das Helle und das Dunkle, das Farbige und das Triste, das Verbindende und das Trennende. Und immer erscheint irgendwo ein Leuchten. Was sie in ihrer Arbeit sucht ist die Stille, der Moment, wo alles stimmig ist, wo ein besonderes Licht über allem liegt, Momentaufnahmen einer Stimmung. „Es sind die leisen Momente, die mich faszinieren und bewegen, wo ich mich mit allem verbunden fühle und die ich oftmals in der Natur finden kann; die Momente, wenn ein bestimmtes Licht über allem liegt, wenn Licht und Schatten sich im Wasser spiegeln, wenn der Wind die Wasseroberfläche kräuselt oder Wind und Wasser Strukturen in den Sand malen. Und wenn ich es schaffe, dies in meine Arbeit zu legen und den Betrachter anzurühren, dann ist für mich ein Werk gelungen.“

 

„Die Aufgabe des Künstlers besteht darin, das darzustellen, was sich zwischen dem Objekt und dem Künstler befindet, nämlich die Schönheit der Atmosphäre.“

(Claude Monet)